Barbara Kloth Grafikdesignerin

Barbara_Kloth_2Liebe Barbara, wir freuen uns sehr, dass wir gerade mit dir unsere kleine Gesprächsreihe eröffnen dürfen, denn du hast für ARTLIT das Logo entworfen. Und davon abgesehen, dass wir uns jeden Tag aufs Neue darüber freuen und es schon vielfach bewundert worden ist, sind wir auch gleich bei einer zentralen Besonderheit dieser Tätigkeit. Die Gestaltung eines Logos steht am Anfang von allem. Jedes Werk, jedes Produkt, das im Folgenden designt wird, entsteht für ein Unternehmen, das bereits ein Gesicht hat. Ganz anders das Logo: Hier bist du als Designerin gefordert, einer Idee eine Form, einen Charakter zu geben, von der du nur erste Erzählungen kennst. Wie gehst du in der Regel vor, wenn dich ein solcher Auftrag erreicht?

Zunächst einmal höre ich zu. Was sind die Pläne? Wie genau sind die Vorstellungen der Unternehmensplanung? In welchem Umfeld bewegt sich der Kunde? Das fällt natürlich sehr unterschiedlich präzise aus. Häufig gibt es Hinweise auf Internetauftritte, die gefallen, auch wenn es sich um ganz andere Tätigkeitsfelder handelt. Manchmal gibt es bereits gesammelte Visitenkarten oder Flyer, die einen bestimmten Aspekt der Unternehmensidee vermitteln. Dadurch erfahre ich teilweise auch persönliche Vorlieben, die für mich, wenn es sich um einen Einzelunternehmer handelt, eine Geschmacksrichtung zeigen.

Das passt sehr gut zu dem, was du über unsere ersten Gespräche im Vorfeld gesagt hast: Dass nämlich in meinen Erzählungen stets die Literatur im Vordergrund stand, das war mir gar nicht so bewusst. Aber genau das hast du aufgenommen und optisch umgesetzt.

Für das ARTLIT-Logo hattest du verschiedene Entwürfe gemacht, und wir waren uns seinerzeit sehr schnell einig, welcher es werden sollte. Was macht die Helvetica in deinen Augen zur passenden Schrift für das ARTLIT-Logo?

Da ARTLIT sich mit den unterschiedlichsten typografischen Gestaltungen beschäftigt, die sich an den jeweiligen Inhalten orientieren und sehr künstlerisch sein können, fordert das Logo einen Gegensatz. Die Helvetica ist sachlich schlicht – ein zeitloser Klassiker. Im gewählten Graublau mit Betonung von “LIT” gibt das Logo den Schwerpunkt der Unternehmensausrichtung wieder und tritt nicht in Konkurrenz zur Edition der Schriftkunst. Und es sieht gut aus ;-))

Gibt es eine Reihenfolge, in der du dich mit den Aspekten Schrift, Farbraum, Wort und Bild beschäftigst, oder ist das ein Prozess, der gedanklich gar nicht zu trennen ist? Machst du zuerst Skizzen auf Papier, oder entsteht das Logo gleich am Rechner?

Bleistifte gibt es bei mir in allen Ecken. Ich skizziere viel, mache mir Notizen zu Assoziationen und entdecke Formen für ein Thema. Meist habe ich eine gewisse Farbigkeit bereits vor Augen, gestalte dann aber gern auch einmal mit ganz anderen Farbwelten und Typos, um teilweise auch den Kunden in den Werdegang mit einzubeziehen.

Barbara_Kloth_1Das Design eines Logos gehört zu den weitreichendsten und wichtigsten Gestaltungen, die ein Designer übernimmt. Denn zum einen ist das Logo auf Dauer angelegt, es wird in der Regel auf Jahre auf allen Kommunikationsmitteln wie Visitenkarten und Flyern des Unternehmens oder der Institution präsent sein. Zum anderen liegt in dieser Aufgabe ein unheimlich großer Gestaltungsraum und damit, so stelle ich mir jedenfalls vor, auch ein großer Reiz. Was macht für dich ein gelungenes Logo aus, und wie wichtig ist es in deinen Augen für die Unternehmensidentität?

Das Logo ist ein Bestandteil. Ein deutlicher gestalterischer Auftritt ist sehr stark auch eine Bild- und Farbwelt, die ein Unternehmen für sich definiert. Wenn es gut ist, ist es flexibel genug, um sich weiterzuentwickeln, ohne auf Trends aufzuspringen.

 

Wie würdest du dein Verhältnis zur Schrift beschreiben? Was bedeuten dir unterschiedliche Schriftarten?

Da ich selbst schon einmal eine Schrift entworfen habe und diese am Computer einsetze, weiß ich, was zu einer guten Schrift dazugehört, auch aus dieser Perspektive. Häufig schaue ich auf den Seiten der Typoanbieter nach Neuigkeiten.

Du hast schon mal eine Schrift entworfen?! Na, die möchte ich unbedingt mal sehen!

In vielen Designbereichen gibt es Moden und Trends. Beobachtest du so etwas auch in der Logogestaltung, und wenn ja, ist es etwas, von dem du dich inspirieren lässt?

Na klar sind Trends zu beobachten. Nicht zuletzt durch immer wieder neue Plattformen, über die kommuniziert wird – Formate von iPads zum Beispiel. Die Sehgewohnheiten verändern sich, und das geht dann auch mal von der Blindprägung auf Bütten weg.

Würdest du sagen, dass du über eine eigene Handschrift, einen eigenen Stil verfügst? Und wie würdest du ihn beschreiben? Gibt es Elemente, die du immer wieder gern integrierst?

Das müssen andere beurteilen.

Barbara_Kloth_4Wie ich weiß, besuchst du viele Ausstellungen, reist zu Kunstmessen wie der Art Basel oder der Viennale nach Venedig. Gibt es Künstler oder Grafikdesigner, die für deine Entwicklung besonders prägend waren? Und wenn ja, dann würde mich interessieren, welche?

Gerade habe ich den Link von einem Freund zu einem Atelierbesuch von Kaspar König bei Sophie Calle in Paris mit Freude angeschaut. Sie hat sehr interessante Denkweisen, die ich seit Langem verfolge. Dann gibt es die Gruppe Rimini Protokoll, die immer eine besondere Form für das findet, was sie ausdrücken will. Bei Herlinde Koelbl habe ich bei Pentiment eine intensive Auseinandersetzung mit dem Blick auf die Fotografie erfahren. Da wirkt sich bestimmt einiges auch auf meine Arbeit aus.

Du entwickelst Firmenauftritte, gestaltest Broschüren, Kataloge und Bücher, du fotografierst: Befruchten sich diese Disziplinen eigentlich gegenseitig? Und was fasziniert dich an den jeweiligen Ausdrucksformen?

Wenn ich zu einseitig arbeite, langweile ich mich. Für mich ist die Abwechslung ein Zusammenspiel, und nur so ergibt sich eine Konsequenz. Bei Ausstellungsgestaltungen kombiniere ich gern.

Barbara_Kloth_5Im vergangenen Jahr hast du ein Mammutprojekt erfolgreich bewältigt, du hast nämlich für die Andere Bibliothek die Lebenserinnerungen des Malerbruders Ludwig Emil Grimm gestaltet, gemeinsam mit Ali Schindehütte. Herausgekommen ist ein 500-seitiger Folioband von umwerfender Schönheit, den ihr gemeinsam mit den beiden Herausgebern unter anderem in der neuen Grimm-Welt in Kassel vorgestellt habt. Was war dabei die größte Herausforderung für dich?

Es war insgesamt eine große Herausforderung, so viele schöne Inhalte – Werke von Ludwig Emil Grimm in Wort und Bild – zu sortieren. Da war die Reduktion nicht immer einfach. Aber ein Buch muss ja noch einigermaßen zu transportieren sein …

Liebe Barbara, wir danken dir sehr herzlich, dass du uns Einblicke in dein spannendes und facettenreiches Wirkungsfeld gewährt hast. Für deine neuen Projekte wünschen wir dir alles Gute!

 

Barbara Kloth studierte Grafik-Design in Dortmund. Die frühere Cheflayouterin von „Finanztest“ (Berlin) hat heute in Hamburg ihr eigenes Büro grafik design kloth. Sie gestaltet Bücher, Magazine, Kataloge, Ausstellungen und fotografiert. barbarakloth.com

© der Fotos: Barbara Kloth